Der kontoalarm Bagger

Ich habe den Blog lange schleifen lassen – aber jetzt melde ich mich zurück: mit einem Hilferuf!

Wo war ich überhaupt so lange?

Jetzt kommen die üblichen, wenn auch wahren, Ausreden: der Umzug, neue Wohnung, neuer Job, viele Termine – das ist alles stressig und aufregend, aber im Endeffekt war ich wohl, wenn ich ganz ehrlich bin, einfach zu faul, um hier regelmäßig Content zu liefern. Und auch den Neujahrsvorsatz, schnellstmöglich wieder zu bloggen, habe ich etwas stiefmütterlich behandelt.

Und was mache ich jetzt?

Mittlerweile arbeite ich in München bei einer Firma namens Aboalarm GmbH. Ihr kennt vielleicht – vielleicht auch nicht – deren Apps: aboalarm und kontoalarm. Ich bin hier Online Marketing Management Trainee. Eines meiner aktuellen Projekte ist der Aufbau der Social Media Accounts und des Blogs. Ich erspare mir und euch an dieser Stelle die unauffällige Auflistung aller Links. 😉

Da wir vor kurzem ein neues Büro bezogen haben, sind wir natürlich nebenbei damit beschäftigt, dieses zu verschönern und für ein wenig Zerstreuung zu sorgen. Genau das bringt mich auch zu meinem Anliegen:

Bagger gegen Downloads

Ich habe auf mytoys diesen grandiosen Sitzbagger gefunden:

Sitzbagger von mytoys - für aboalarm?

Zu diesem tollen Sitzbagger könntest du uns verhelfen!

Wir möchten sehr gerne einen dieser Sitzbagger für unseren garten haben! Allerdings bekommen wir ihn nur dann, wenn wir innerhalb der nächsten sechs Wochen 1000 (eintausend) Downloads für die kontoalarm iPhone App generieren können!

Das ist natürlich eine gewaltige Aufgabe, denn sechs Wochen sind nicht viel Zeit und tausend Downloads wirklich viel. Allerdings ist die App kostenlos und ich poste Fotos, die beweisen, dass wir auch wirklich baggern, damit ihr einen besonderen Anreiz habt, uns zu helfen!

Die App ist übrigens dazu da, ein oder mehrere Konten und / oder Kreditkarten zu verwalten: Kontostand anzeigen, Ausgaben kategorisieren, Benachrichtigungen bei Geldein- oder abgängen – so was eben. Teil meiner „Challenge“ ist allerdings nur der Download. Ich würde nie versuchen, euch zur Nutzung, kostenlos oder kostenpflichtig, irgend einer App zu überreden. Wie so oft gibt es neben dem kostenlosen Basisaccount auch die Option, für ca. 50 Cent im Monat Premiumfunktionen freizuschalten, beispielsweise das Kündigen von Abonnements direkt aus der App heraus.

Bitte helft mir, einen Bagger fürs Büro zu bekommen!

Also, noch einmal mein Appell: App kostenlos downloaden (egal, was ihr dann damit macht oder ob überhaupt! Download genügt) und/oder den Beitrag teilen. Ich bitte euch um Hilfe – ich möchte einen Bagger für den Garten!

Als Belohnung für eure noble Tat könnt ihr euch auf vollkommen unseriöse Fotos von erwachsenen Menschen freuen, die einen Sitzbagger benutzen. 😉

Abschließend noch einmal der Link zum Appstore: kontoalarm App für iPhone

Webguerillas „Viral Spot“ 2014

Ich habe mal wieder einen Werbespot gesehen, der definitiv berichtenswert ist: Den schlicht „viral spot“ genannten Werbeclip der Marketingagentur Webguerillas, die sich alternatives Marketing auf ihre Fahnen gesprayt haben. Gefunden habe ich den 1 Minute und 10 Sekunden langen Schatz auf Shakes & Fidgets. Das ist – für die, die es nicht kennen – ein doch mittlerweile recht bekanntes Browsergame. Dieses finanziert sich seit einer Weile über Werbevideos. Die Clips werden von Firmen produziert und Shakes & Fidgets für die Ausstrahlung bezahlt. Ansehen müssen die Spielerinnen die Videos aber nicht. Um sie dazu zu bringen, es trotzdem zu tun, gibt es als Gegenleistung eine kleine „in-game“-Belohnung. Gamification ist eben alles. Normalerweise mute ich den Clip und lasse ihn unbeobachtet auf dem Zweitmonitor laufen, um an die Belohnung zu kommen, während ich auf meinem Hauptbildschirm irgend etwas anderes tue. Selten sind die Videos gut. Der Titel „Viral Spot“ mit der überschaubaren Dauer war aber spontan interessant genug, um ihn mir anzusehen.

Doch genug davon, hier sind die Eckdaten:

 

  • Wer wirbt?                                Webguerillas.
  • Was wird beworben?            Die Agentur selbst.
  • Wo wird geworben?              Im Browserspiel Shakes & Fidgets

 

Statt eines Albtraums aus der siebten Marketing-Hölle wurde mir ein extrem guter Werbespot präsentiert. Es ging gar nicht um ein konkretes Produkt. Die Werbung ist in diesem Fall das Produkt und demonstriert den nach eigenen Angaben außerordentlich alternativen Marketingansatz der jungen Agentur. Eigentlich müsste ich den Clip jetzt beschreiben, aber das will ich gar nicht. Er ist auch schwer zu beschreiben. Deshalb höre ich jetzt einfach auf zu tippen, vergebe volle fünf Sterne, linke euch die Startseite des Unternehmens und, vor allem, zeige euch den „viral spot“:

 

Wichtig ist eben nicht nur die Anzahl der Likes und Fans auf Unternehmensseiten, sondern, dass eine Identifikation mit einem Unternehmen oder einer Marke entsteht. Das wird sicher nicht durch das Verlosen von IPads erreicht. Das teilen interessanter Inhalte und echte, zwischenmenschliche Interaktion hingegen könnten helfen. Auch Privatpersonen, die sich eventuell berufliche Vorteile durch das Pflegen der berühmten weak ties erhoffen, sollten daran denken, dass Netzwerken eine selektive, kontinuierliche Angelegenheit ist, welche über das stumpfe Akkumulieren von „Freunden“ hinausgeht.

Das digitale Zuhause der Webguerillas findet ihr übrigens unter http://www.webguerillas.com

Unternehmensvortrag: mymuesli

 Starting up mymuesli – und was online Marketing dazu beigetragen hat

 

Vorgeplänkel

Wirtschaftsstudenten haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber Geisteswissenschaftlern: Sie kommen in den Genuss zahlreicher Unternehmensvorträge, wenn sie das denn wollen. Da ich zur Zeit in Magdeburg gastiere und mit einigen Masterstudenten in Business Economics gut vernetzt bin, habe ich den Entschluss gefasst, mir einige Unternehmensvorträge anzusehen. Kurze Zeit später habe ich von einem interessanten Angebot erfahren: einem Vortrag über den Anteil von Online Marketing am Erfolg eines Unternehmens. Dies ist zwar jetzt schon eine Weile her, doch soll der Bericht zum Vortrag den Auftakt der Reihe über Unternehmensvorträge bilden. Kommen wir zu den Fakten:

 

Fakten

  • Unternehmen:   mymuesli
  • Vortragender:   Hubertus Bessau, Gründer und Marketinger
  • Titel:                      Starting up mymuesli – und was online Marketing dazu beigetragen hat
  • Uni:                        Otto von Guericke Universität Magdeburg
  • Veranstalter:     Lehrstuhl für Marketing, Wirtschaftwissenschaftliche Fakultät
  • Zielgruppe:         Bachelorstudentinnen
  • Datum:                 30.04.2014
  • Catering:             nein
  • Merchandise:    nein

 

Der Vortrag

Zunächst an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Herrn Prof. Dr. Sarstedt und die anderen Verantwortlichen für die organisatorische Arbeit und danke auch an Herr Bessau für seinen Gastauftritt. Ehrlich gesagt konnte ich mich zwar noch dunkel an die erste mymuesli-Fernsehwerbung erinnern, wusste aber sonst nicht viel über die Firma. Offensichtlich – der Name verrät es – handelt es sich über einen Internetretailer für Frühstücksflocken, die sich der Endkunde nach dem von Automobil- und Technikanbietern bekannten Prinzip nach dem individuellen Geschmack zusammen klickt. Doch hier die Kurzbeschreibung, wie sie auf dem Vortragsflyer zu finden ist:

Hubertus Bessau gründete mymuesli 2007 mit zwei Studienfreunden direkt aus dem BWL-Studium an der Universität Passau.
Die Idee, jedem sein persönliches Lieblingsmüsli zu mixen fand schnell viele Anhänger und Fans in Deutschland, Österreich,
der Schweiz, den Niederlanden und Großbritannien.
Das Startup wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit den Preisen „Startup des Jahres 2007“ von deutsche-startups.de und dem
„Young Business Award 2008“ des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels. Zuletzt wurden die drei Freunde mit dem
Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Aufsteiger geehrt.

 

Den Flyer findet ihr übrigens hier: mymuesli_plakat (Genau genommen ist es natürlich kein Flyer, sondern ein Plakat.)

 

Doch zum Vortrag: Herr Bessau präsentiert locker und sympathisch, fast schon betont studentisch, und verzichtet dabei auf störende Details wie jegliche Zahlen und Stimmungskiller wie Fachbegriffe. Ich möchte nicht, dass das falsch ankommt. Ich halte ihn für ziemlich kompetent und gut in seinem Job, nur der Vortrag war scheinbar einfach schlecht vorbereitet. Als Absolventin der Geisteswissenschaften hoffte ich vergebens auf irgend welche neuen Erkenntnisse. Das kann ich ihm natürlich nicht vorwerfen, zumal sich der Vortrag auch an Bachelorstudenten richtet. Wer einen solchen Vortrag allerdings hält, nach eigenen Angaben mit dem Ziel, die Lücke zwischen Universität und Praxis zu schließen, sollte denn auch Anstrengungen in dieser Hinsicht erkennen lassen.

Was genau nutzt ein Wachstumsdiagramm ohne Zahlen? Wieso nennt Herr Bessau Multi Channel Vertrieb plötzlich Omni Channel Presence? Auf der Folie stand es immerhin richtig. Dem Vortrag zufolge hat Herr Bessau nicht besonders viel Ahnung von dem, was er tut, und alles anders gemacht, als er es gelernt hat. Ein Blick auf die Homepage verrät schnell, dass Preise, Design, Konzept und generell alles, was unter das Stichwort Marketing und damit seine Zuständigkeit fällt, durchdacht und hervorragend umgesetzt sind. Schließlich geben auch die Fakten den drei mymuesli-Gründern Recht. Ecxiting Commerce schreibt:

Der Gewinn betrug im ersten Jahr 77.450 Euro (2007) und stieg dann auf 344.160 Euro (2008), 288.440 Euro (2009) und 278.300 Euro (2010).

Die Produktionsstätten werden ausgebaut, Mitarbeiter aufgestockt, die Produktpalette erweitert, es wird investiert und geworben und sogar im stationären Handel ist mymuesli mittlerweile vertreten. Das sind alles keine Gründe zum Schämen, sondern machen das dynamische, mehrfach ausgezeichnete Startup eigentlich zu einem spannenden Vorzeigebeispiel für moderne deutsche Unternehmensgründungen. Doch über das Online Marketing spricht Herr Bessau leider nicht. Dass es Push- und Pull-Marketing gibt, ist kein Geheimnis. Von der durchdesignten Unternehmensseite wird jedoch nur eine nicht mehr aktuelle Abbildung präsentiert. Kampagnen, Zielgruppen, Marktforschung – all das scheinen Betriebsgeheimnisse zu sein. Lead Creation, Social Media, Content Creation, Community Management: Fehlanzeige. Es gibt kein einziges Beispiel. Es wird keine Werbung gezeigt, kein Buttondesign, kein Bannerplacement besprochen. Im großen und ganzen handelt es sich eher um eine lockere Verkaufsveranstaltung als um einen Vortrag über Online Marketing. Das ist sehr schade. Zeit für Fragen bleibt am Ende kaum, doch das ist wenig bedauerlich, wenn die wenigen gestellten Fragen ohnehin nur ausweichend beantwortet werden.

 

Fazit

Abschließend kann ich leider nicht die Empfehlung geben, einen mymuesli-Vortrag zu besuchen, sollte er an eurem Studienort angeboten werden. Der Informationsgehalt über Theorie und Praxis des Online Marketing war gleich null und auch das lockerste, studentischste Auftreten täuscht nur in Maßen über schlechte Vorbereitung hinweg. Dafür gibt es von mir nur zwei Sterne.

Trotzdem kann ich euch nur nahelegen, Gastvorträge anzuschauen und auch selbst anzustoßen, sollte es an eurer Uni in eurem Fachbereich zu wenige davon geben. Ich war unterdessen auch schon fleißig und habe weitere Vorträge besucht. Verpasst also nicht den nächsten Beitrag der Kategorie Einblicke – Ausblicke, wenn ich euch über den Unternehmensvortrag eines großen Personaldienstleisters zum Thema Bewerbungen im Onlinezeitalter berichte!