Webguerillas „Viral Spot“ 2014

Ich habe mal wieder einen Werbespot gesehen, der definitiv berichtenswert ist: Den schlicht „viral spot“ genannten Werbeclip der Marketingagentur Webguerillas, die sich alternatives Marketing auf ihre Fahnen gesprayt haben. Gefunden habe ich den 1 Minute und 10 Sekunden langen Schatz auf Shakes & Fidgets. Das ist – für die, die es nicht kennen – ein doch mittlerweile recht bekanntes Browsergame. Dieses finanziert sich seit einer Weile über Werbevideos. Die Clips werden von Firmen produziert und Shakes & Fidgets für die Ausstrahlung bezahlt. Ansehen müssen die Spielerinnen die Videos aber nicht. Um sie dazu zu bringen, es trotzdem zu tun, gibt es als Gegenleistung eine kleine „in-game“-Belohnung. Gamification ist eben alles. Normalerweise mute ich den Clip und lasse ihn unbeobachtet auf dem Zweitmonitor laufen, um an die Belohnung zu kommen, während ich auf meinem Hauptbildschirm irgend etwas anderes tue. Selten sind die Videos gut. Der Titel „Viral Spot“ mit der überschaubaren Dauer war aber spontan interessant genug, um ihn mir anzusehen.

Doch genug davon, hier sind die Eckdaten:

 

  • Wer wirbt?                                Webguerillas.
  • Was wird beworben?            Die Agentur selbst.
  • Wo wird geworben?              Im Browserspiel Shakes & Fidgets

 

Statt eines Albtraums aus der siebten Marketing-Hölle wurde mir ein extrem guter Werbespot präsentiert. Es ging gar nicht um ein konkretes Produkt. Die Werbung ist in diesem Fall das Produkt und demonstriert den nach eigenen Angaben außerordentlich alternativen Marketingansatz der jungen Agentur. Eigentlich müsste ich den Clip jetzt beschreiben, aber das will ich gar nicht. Er ist auch schwer zu beschreiben. Deshalb höre ich jetzt einfach auf zu tippen, vergebe volle fünf Sterne, linke euch die Startseite des Unternehmens und, vor allem, zeige euch den „viral spot“:

 

Wichtig ist eben nicht nur die Anzahl der Likes und Fans auf Unternehmensseiten, sondern, dass eine Identifikation mit einem Unternehmen oder einer Marke entsteht. Das wird sicher nicht durch das Verlosen von IPads erreicht. Das teilen interessanter Inhalte und echte, zwischenmenschliche Interaktion hingegen könnten helfen. Auch Privatpersonen, die sich eventuell berufliche Vorteile durch das Pflegen der berühmten weak ties erhoffen, sollten daran denken, dass Netzwerken eine selektive, kontinuierliche Angelegenheit ist, welche über das stumpfe Akkumulieren von „Freunden“ hinausgeht.

Das digitale Zuhause der Webguerillas findet ihr übrigens unter http://www.webguerillas.com

Kabel Deutschland Werbespot 2014

Werbung ist häufig Geschmackssache. Einige Grundprinzipien gelten jedoch in den allermeisten Fällen. Dazu gehört eine der Zielgruppe angepasste Sprache und Präsentation und die Wahl des richtigen Mediums. Unternehmen, die einen Schritt weiter gehen, könnten sich in der Tat entscheiden, auch auf ihr Image zu achten. Die ganz Großen im Werbegeschäft bestechen sogar durch eine gewisse Ästhetik, Humor, oder gar Geist. Doch von vorn – worüber spreche ich hier? Schauen wir zunächst auf die Fakten:

  • Wer wirbt?                         Kabel Deutschland
  • Was wird beworben?     Kabel Deutschland Hotspots
  • Wo wird geworben?       Es handelt sich um eine TV-Werbung.

Den Spot habe ich erstmals am 1.Mai, dem Tag der Arbeit, auf einem Privatsender im TV gesehen. Schnell habe ich etwas genauer hingehört und meinen Blick auf den Bildschirm gerichtet. Nanu, dachte ich, diese Melodie kenne ich doch! Auch wenn sie etwas komisch klingt und schwer verstümmelt worden ist, so drang doch da eindeutig die Nationalhymne der DDR an meine Ohren! Am besten verdeutliche ich die auf mehrfacher Ebene geschichtsverachtende Unästhetik dieses Spots, indem ich ihn hier einfüge. Wie immer hilft hier Youtube.

 

 

Seltsamer Weise war es mir übrigens nicht möglich, dem Video eine negative Bewertung zu geben. Positive Bewertungen hingegen sind möglich. Zum aktuellen Zeitpunkt kommen immerhin neun dieser positiven Bewertungen auf über eintausend Aufrufe. Da Werbung, wie bereits erwähnt, häufig Geschmackssache ist, möchte ich an dieser Stelle lieber nicht auf die eigenwillige „Ästhetik“ eingehen. Die Marktforschung zum Spot hingegen würde mich brennend interessieren. Interessant ist für mich auch, wer dieses Machwerk abgenickt hat. Insbesondere beziehe ich mich dabei auf drei Punkte.

  1. Die Verwendung der DDR-Nationalhymne für einen kapitalistischen Werbespot, auch noch ausgerechnet um den ersten Mai herum, verhöhnt den Feiertag und die gesamte internationale Arbeiterbewegung. In NRW wird der bundesdeutsche Feiertag als „Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde“ bezeichnet. Was sich Kabel Deutschland dabei gedacht hat ist mir schleierhaft.
  2. Neben der Herabwürdigung der Arbeiterbewegung und des damit verbundenen Idealismus verharmlost dieses Werbefilmchen mit abgewandelter DDR-Nationalhymne und angedeutetem Fahnenappell ein Unrechtsregime und lässt jeglichen Respekt vor den Opfern vermissen. Wieso Kabel Deutschland sein Internetangebot ausgerechnet mit Zensur, Generalverdacht und Totalüberwachung assoziiert wissen möchte, ist mir unklar.
  3. Die Nationalhymne der DDR ist, von allem anderen einmal abgesehen, eine meisterhafte Komposition, welche hier zum Vergnügen eines makabren Musiksadisten gequält wird.

Kabel Deutschland bietet in unter 30 Sekunden nicht nur ausreichend Gründe, das Fernsehkabel nicht nur aus der Dose zu ziehen, sondern gleich ganz abzuschneiden. Nein. Vor allem zeigt uns hier ein Konzern, der im 21. Jhd. mobiles Internet anbietet, wie eine Werbung auf jeden Fall nicht aussehen sollte. Danke dafür. Zur Belohnung gibt es von mir, was kein Onlineportal bietet: eine Bewertung mit 0 Sternen.