Unternehmensvortrag: mymuesli

 Starting up mymuesli – und was online Marketing dazu beigetragen hat

 

Vorgeplänkel

Wirtschaftsstudenten haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber Geisteswissenschaftlern: Sie kommen in den Genuss zahlreicher Unternehmensvorträge, wenn sie das denn wollen. Da ich zur Zeit in Magdeburg gastiere und mit einigen Masterstudenten in Business Economics gut vernetzt bin, habe ich den Entschluss gefasst, mir einige Unternehmensvorträge anzusehen. Kurze Zeit später habe ich von einem interessanten Angebot erfahren: einem Vortrag über den Anteil von Online Marketing am Erfolg eines Unternehmens. Dies ist zwar jetzt schon eine Weile her, doch soll der Bericht zum Vortrag den Auftakt der Reihe über Unternehmensvorträge bilden. Kommen wir zu den Fakten:

 

Fakten

  • Unternehmen:   mymuesli
  • Vortragender:   Hubertus Bessau, Gründer und Marketinger
  • Titel:                      Starting up mymuesli – und was online Marketing dazu beigetragen hat
  • Uni:                        Otto von Guericke Universität Magdeburg
  • Veranstalter:     Lehrstuhl für Marketing, Wirtschaftwissenschaftliche Fakultät
  • Zielgruppe:         Bachelorstudentinnen
  • Datum:                 30.04.2014
  • Catering:             nein
  • Merchandise:    nein

 

Der Vortrag

Zunächst an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Herrn Prof. Dr. Sarstedt und die anderen Verantwortlichen für die organisatorische Arbeit und danke auch an Herr Bessau für seinen Gastauftritt. Ehrlich gesagt konnte ich mich zwar noch dunkel an die erste mymuesli-Fernsehwerbung erinnern, wusste aber sonst nicht viel über die Firma. Offensichtlich – der Name verrät es – handelt es sich über einen Internetretailer für Frühstücksflocken, die sich der Endkunde nach dem von Automobil- und Technikanbietern bekannten Prinzip nach dem individuellen Geschmack zusammen klickt. Doch hier die Kurzbeschreibung, wie sie auf dem Vortragsflyer zu finden ist:

Hubertus Bessau gründete mymuesli 2007 mit zwei Studienfreunden direkt aus dem BWL-Studium an der Universität Passau.
Die Idee, jedem sein persönliches Lieblingsmüsli zu mixen fand schnell viele Anhänger und Fans in Deutschland, Österreich,
der Schweiz, den Niederlanden und Großbritannien.
Das Startup wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit den Preisen „Startup des Jahres 2007“ von deutsche-startups.de und dem
„Young Business Award 2008“ des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels. Zuletzt wurden die drei Freunde mit dem
Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Aufsteiger geehrt.

 

Den Flyer findet ihr übrigens hier: mymuesli_plakat (Genau genommen ist es natürlich kein Flyer, sondern ein Plakat.)

 

Doch zum Vortrag: Herr Bessau präsentiert locker und sympathisch, fast schon betont studentisch, und verzichtet dabei auf störende Details wie jegliche Zahlen und Stimmungskiller wie Fachbegriffe. Ich möchte nicht, dass das falsch ankommt. Ich halte ihn für ziemlich kompetent und gut in seinem Job, nur der Vortrag war scheinbar einfach schlecht vorbereitet. Als Absolventin der Geisteswissenschaften hoffte ich vergebens auf irgend welche neuen Erkenntnisse. Das kann ich ihm natürlich nicht vorwerfen, zumal sich der Vortrag auch an Bachelorstudenten richtet. Wer einen solchen Vortrag allerdings hält, nach eigenen Angaben mit dem Ziel, die Lücke zwischen Universität und Praxis zu schließen, sollte denn auch Anstrengungen in dieser Hinsicht erkennen lassen.

Was genau nutzt ein Wachstumsdiagramm ohne Zahlen? Wieso nennt Herr Bessau Multi Channel Vertrieb plötzlich Omni Channel Presence? Auf der Folie stand es immerhin richtig. Dem Vortrag zufolge hat Herr Bessau nicht besonders viel Ahnung von dem, was er tut, und alles anders gemacht, als er es gelernt hat. Ein Blick auf die Homepage verrät schnell, dass Preise, Design, Konzept und generell alles, was unter das Stichwort Marketing und damit seine Zuständigkeit fällt, durchdacht und hervorragend umgesetzt sind. Schließlich geben auch die Fakten den drei mymuesli-Gründern Recht. Ecxiting Commerce schreibt:

Der Gewinn betrug im ersten Jahr 77.450 Euro (2007) und stieg dann auf 344.160 Euro (2008), 288.440 Euro (2009) und 278.300 Euro (2010).

Die Produktionsstätten werden ausgebaut, Mitarbeiter aufgestockt, die Produktpalette erweitert, es wird investiert und geworben und sogar im stationären Handel ist mymuesli mittlerweile vertreten. Das sind alles keine Gründe zum Schämen, sondern machen das dynamische, mehrfach ausgezeichnete Startup eigentlich zu einem spannenden Vorzeigebeispiel für moderne deutsche Unternehmensgründungen. Doch über das Online Marketing spricht Herr Bessau leider nicht. Dass es Push- und Pull-Marketing gibt, ist kein Geheimnis. Von der durchdesignten Unternehmensseite wird jedoch nur eine nicht mehr aktuelle Abbildung präsentiert. Kampagnen, Zielgruppen, Marktforschung – all das scheinen Betriebsgeheimnisse zu sein. Lead Creation, Social Media, Content Creation, Community Management: Fehlanzeige. Es gibt kein einziges Beispiel. Es wird keine Werbung gezeigt, kein Buttondesign, kein Bannerplacement besprochen. Im großen und ganzen handelt es sich eher um eine lockere Verkaufsveranstaltung als um einen Vortrag über Online Marketing. Das ist sehr schade. Zeit für Fragen bleibt am Ende kaum, doch das ist wenig bedauerlich, wenn die wenigen gestellten Fragen ohnehin nur ausweichend beantwortet werden.

 

Fazit

Abschließend kann ich leider nicht die Empfehlung geben, einen mymuesli-Vortrag zu besuchen, sollte er an eurem Studienort angeboten werden. Der Informationsgehalt über Theorie und Praxis des Online Marketing war gleich null und auch das lockerste, studentischste Auftreten täuscht nur in Maßen über schlechte Vorbereitung hinweg. Dafür gibt es von mir nur zwei Sterne.

Trotzdem kann ich euch nur nahelegen, Gastvorträge anzuschauen und auch selbst anzustoßen, sollte es an eurer Uni in eurem Fachbereich zu wenige davon geben. Ich war unterdessen auch schon fleißig und habe weitere Vorträge besucht. Verpasst also nicht den nächsten Beitrag der Kategorie Einblicke – Ausblicke, wenn ich euch über den Unternehmensvortrag eines großen Personaldienstleisters zum Thema Bewerbungen im Onlinezeitalter berichte!

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