Wieso ich bei jedem Kontakt mehr den Respekt vor der Berliner Polizei verliere

Gestern Nacht gegen Ein Uhr war es mal wieder soweit: Ein Bekloppter oder eine Bekloppte fand es super, ohne Ende Böller und Raketen in unserer und den anliegenden Straßen zu zünden.

Erfahrungsgemäß ist das so laut wie nervig und die Person hat es sogar geschafft, kurzzeitig eine Autoalarmanlage auszulösen. Bei uns im Haushalt sind aktuell alle erkältet und wir hätten gerne ein wenig Schlaf getankt. Nach ca. zwanzig Minuten hat es mir gereicht und ich habe die Polizei angerufen. Ich habe den Sachverhalt geschildert und darauf hingewiesen, dass ich keine Anzeige erstatten möchte und auch sonst keine großen Resultate erwarte, aber dass es ja eventuell schon zu Ruhe führt, wenn sie mal einen Streifenwagen vorbei schickten.

Die Wache ist zu Fuß ca. zwei Minuten von meiner Wohnung entfernt, also nicht all zu weit. Kurze Zeit später fuhr dann auch langsam ein Auto aus dieser Richtung an unserem Haus vorbei und das Geknalle entfernte sich deutlich. So weit, so erfolgreich.

Beruhigt hoffte ich auf etwas Schlaf, als ein Auto bei uns direkt vor der Tür einparkte und mich eine ungute Vorahnung beschlich. Und siehe da: Halb Zwei Uhr Nachts und die freundliche Berliner Polizeit klingelte! Ich aus dem Bett, zur Gegensprechanlage:

Ich: Ja?

Er: Polizei, Sie haben angerufen.

PAUSE

Ich: Ich weiß zwar nicht genau, wie ich Ihnen da jetzt weiterhelfen kann, aber ich mache Ihnen mal die Tür auf.

Kurze Zeit später kämpften sich zwei Männer, die ich weit jenseits der 100KG-Marke verorten würde – jeweils, nicht insgesamt, versteht sich – die Treppe ins zweite OG hoch. Der Eine hat es auch bis zum Ende geschafft, während der Andere die Zwischenetage absicherte. Dann entspann sich folgender Dialog (frei nach Erinnerung):

Er: Warum haben Sie denn angerufen?

Ich: Das habe ich entweder Ihnen oder Ihrem Kollegen am Telefon bereits erklärt. Hier ist jemand mit Feuerwerkskörpern marodierend durch die Straßen gezogen. Jetzt ist es seit ein paar Minuten ruhig.

Er: Wie lange ist es denn jetzt ruhig?

Ich: Ein paar Minuten. Zehn vielleicht?

Er: Weil wir haben alles abgesucht und niemanden gefunden.

Ich: Und was soll ich da jetzt machen? Sie können mir glauben, dass ich mir besseres vorstellen kann, als Sie mitten in der Nacht anzurufen. Schlafen zum Beispiel.

Er, im Gehen: Haben Sie einen Hund?

Ich: Ja, aber das ist nicht meiner, der da bellt.

Er: Weil da hat einer angeschlagen, als wir geklingelt haben.

Ich: Ja, das war dann wohl meiner. Die Hunde in der ganzen Straße schlagen ständig an bei dem Geknalle.

Er: Ja, wenn man sich einen Hund in die Wohnung holt, dann muss man schon damit rechnen, ass der auch mal bellt. Deshalb habe ich keinen Hund in der Wohnung. Das würde ich einem Tier nie antun.

Ich: Das ist ein Hund. Der ist domestiziert. Der lebt lieber in einer Wohnung als draußen. Aber vielen Dank für Ihre Meinung.

Dann schloss ich die Tür.

Selbstverständlich wurden einige Minuten später auch wieder direkt bei uns in der Straße Raketen gezündet und über die nächste Stunde eben so ziemlich im ganzen Viertel, aber was weiß ich schon?

Im Nachhinein betrachtet wundert es mich jetzt allerdings nicht mehr, dass sie die entflohenen Straftäter nicht fassen können, wenn sie es nicht einmal schaffen, in dunkler, stiller Nacht jemanden zu finden, der alle paar Minuten Raketen und andere Feuerwerkskörper zündet.

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GLS „klärt“ Beschwerden persönlich – tolle Sache, oder?

Warum ich auf einmal keine Pakete mehr bekomme

 

Ich bestelle gerne im Internet und freue mich immer sehr auf die Pakete. Meistens warte ich sogar, wenn möglich, zuhause auf den Boten. Seit ich allerdings meine neue Wohnung bezogen habe, durfte ich mir alle Sendungen irgendwo im Hausflur zusammen suchen, obwohl ich zuhause war und unabhängig vom Paketdienst. Also, ganz klar: Beschwerde an DHL ging letzte Woche telefonisch raus – einfach weil ich kein passendes Formular finden konnte auf der Website.

Gestern dann die Steigerung durch den GLS – Boten: Er klingelt, ich gehe an die Gegensprechanlage, er nur „Paket!“ und ich betätige den Öffner. Wartend stand ich an der Tür, niemand kam. Ich bin also direkt die Treppe hinunter gelaufen und habe an der offenen Tür zum Innenhof gewartet: niemand. Ich bin an die Haustür und habe hinausgeschaut: Da stand es, das Lieferfahrzeug – aber kein Bote zu sehen. Entnervt und auf Strümpfen bin ich umgekehrt, um ihn zu suchen und promt kam er mir entgegen.

Ich: „Halle. Waren Sie das, der wegen des Pakets geklingelt hat?“

Er: „Und Sie sind?“

Ich verriet ihm meinen Namen.

Er: „Paket ist bei der Nachbarin Frau Soundso.“

Ich: „Na schön. Also nein, es ist nicht schön, aber nicht zu ändern. machen Sie bitte die Haustür zu, die hatte ich jetzt wegen Ihnen offen gelassen.“

Dann ging ich Frau soundso suchen, die natürlich nicht nur im obersten, also 5. Stock wohnt, sondern auch schwanger ist und deshalb nichts heben kann. Entsprechend stand mein teures Elektrogerät unbeaufsichtigt im Flur. Die Nachbarin war nett und erfreut, dass er überhaupt bis zu ihr gekommen ist, da sie schon oft Probleme mit GLS hatte. Ich habe den Karton vom 5. Stock wieder runter getragen und dann wieder in den 2. Stock zu meiner Wohnung. Kurzer Ausflug zur Haustür: die stand natürlich offen, genauso wie die Tür zum Treppenhaus.

Das Beschwerdeformular von GLS habe ich gefunden und musste deshalb nicht anrufen. Der latent aggressive Tonfall des Boten blieb nicht unerwähnt, aber alles in allem schrieb ich zurückhaltend. Es war ja auch nichts weltbewegendes passiert. Durch Feedback kann sich das Unternehmen immerhin verbessern.

 

Feedback zum Feedback: Hausbesuch von GLS

 

Heute klingelte es wieder, ich direkt an die Gegensprechanlage. „Ja hallo hier ist GLS. Sie haben sich beschwert und ich will das persönlich klären!“ Ich bat den etwas weniger latent und etwas mehr aggressiv wirkenden Herrn herauf und wartete an der Wohnungstür, wo ich die fröhlichen Beschwerden über den Aufstieg in den 2. Stock hören durfte. Scheinbar hatte er Verstärkung mitgebracht. Aha. Ich bin auch immerhin fast 1,60m groß und wirke besonders einschüchternd. Kurze Zeit später standen zwei Männer vor mir, von denen der latent aggressive, über welchen ich mich beschwert hatte, mir verkündete, dass er keine Pakete mehr für mich bei den Nachbarn abgibt, wenn ich nicht da bin, und auch nichts zu meiner Tür tragen muss und überhaupt was ich mich beschweren würde, das kommt ja bei seinen Chefs an und er muss die Pakete auch tragen und der Job sei generell sehr stressig. Hinter ihm stand ein knapp 1,90m großer Muskelmann mit Glatze in Türsteherpose. Ich erwähnte mehrfach, dass das Problem ja ist, DASS ich zuhause war und irgendwann begann der Türsteher, mich anzuschreien.

Schreien Sie Menschen mit Hunden bitte nicht an

Schreien Sie Menschen mit Hunden bitte nicht an.

Alles in allem ist das schon ein potenziell einschüchternder Auftritt und obwohl ich weiß, dass äußerst wenige Personen in ihrer Wohnung von GLS – Boten überfallen werden, fühlte ich mich a) bedroht und war b) froh, einen großen Hund zu haben und meinen Partner im Wohnzimmer zu wissen.

Ich weiß ja nicht, wie ich das finden soll, aber mein Hund, der sich Pakete, Paketboten und Besuch über alles liebt, fand es nicht gut und hat mal verhalten gebellt. Kollege latent-aggressiv hat seinen Bodyguard daraufhin durch erneutes Anschreien zum Schweigen gebracht und seinen Kopf aus meiner Tür genommen, in der er übrigens stand, so dass ich sie nicht mal einfach so hätte schließen können.

 

Kundenservice geht jedenfalls anders und ich bin gespannt, ob, wo und in welchem Zustand ich mein nächstes Paket erhalten werde.

 

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Beschwert ihr euch überhaupt, wenn etwas schief läuft?